Zufall des Monats – Juni 2022

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Zufall des Monats

Heute gibt es gleich mehrere Zufälle auf einen Streich … oder vielleicht besser in einem Blogbeitrag. 

Titel, Ort, Aufnahmezeitpunkt

rechtes Bild = Zufall 1:
Marie
Berlin, 2017

linkes Bild = Zufall 2:
Paul 
Berlin, 2018

Sub Genre

Minimalistische Straßenfotografie, Architektur und Mensch 

Idee – rechtes Bild

Das rechte Bild entstand Mitte August 2017 als „Beifang“. Zu der Zeit war ich öfter mal geschäftlich in Berlin unterwegs. Auf dem Rückweg von der Friedrichstraße hatte ich noch etwas Zeit. Ich beschloss den Weg zum Hauptbahnhof zu Fuß entlang der Spree zurück zu legen. Wie immer – ja wirklich immer – hatte ich „zufällig“ eine Kamera dabei. Als ich mich dem Regierungsviertel näherte, kurz vor dem Friedrich Ebert Platz, sah ich schon von weitem, dass die Fassade des Marie Elisabeth Lüders Hauses anders aussah als bei meinen früheren Besuchen (Zufall 1). Durch die Stellung der Fensterelemente wirkte sie noch homogener, minimaoistischer. Ganz in der Ferne näherte sich ein zunächst nur als roter Punkt erkennbares Menschlein der „Bühne“ (Zufall 2). Schell brachte ich mich in Position fokussierte und wartete … und hoffte, die Dame in rot, als was sich der rote Punkt inzwischen entpuppt hatte, allein zu erwischen. Und yesssss … Glück gehabt! Glück!? Mein Lieblingszitat zum Thema Glück …

“Luck is what happens when preparation meets opportunity.” Seneca

Danach gab es noch ein paar Fotos von der „Waschmaschine“, bevor ich dann doch geschwind zum Hauptbahnhof musste, um meinen Zug nicht zu verpassen.

Idee – linkes Bild

Wenn ich mich richtig erinnere war ich im Juni 2018 gezielt zum fotografieren in Berlin unterwegs. Zu der Zeit gab es für mich keinen Berlin Besuch, ohne mal im Regierungsviertel vorbei zu schauen. Ich war also wieder am Friedrich-Ebert-Platz, unweit der Stelle, an der das rechte Bild entstanden ist. Dieses mal wandte ich der Spree den Rücken zu und hatte meine Bühne vor der Sichtbetonmauer des Paul-Löbe-Hauses bereitet. Idee war es eine einzelne Person auf der Treppe vor der Mauer zu fotografieren. Also sehr minimalistisch. Nach einigen nicht wirklich spannenden Protagonisten, betrat „Paul“ die Bühne (Zufall 3). Ihn fand ich einfach großartig. Der stattliche Mann mit seinen hochgezogenen Kniestrümpfen wirkte etwas erschöpft. Als er dann auf der Treppe sein Tempo verlangsamte und auf dem Zwischenpodest der Treppe kurz etwas innehielt, war mein Foto auf der Speicherkarte!  

Kurzer Ausflug in die Geschichte

Wie bereits geschrieben entstanden beide Bilder im Regierungsviertel in Berlin, am Friedrich Ebert Platz in unmittelbarer Nähe des Reichtagsgebäudes. Keinesfalls vergessen will ich aber zu erwähnen, dass sich zwischen beiden Bildern oder auch besser Gebäuden am Ufer der Spree auch der Gedenkort der „Weissen Kreuze“ befindet. Dieser erinnert an die Todesopfer der Berliner Mauer. 

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Bildgestaltung

Bei beiden Bildern habe ich das Hochformat gewählt. Zum einen lassen sich so störende Element links und rechts der „Bühne“ ausblenden, zum anderen kommt so die Dimension der Architektur für mich noch besser zur Geltung. Bei beiden Aufnahmen passt die Position des Protagonisten in den goldenen Schnitt.

Paul befindet sich auf der unteren horizontalen Linie des goldenen Schnittes. Er ist allerdings etwas mittig platziert, also nicht im Schnittpunkt der horizontalen und vertikalen Linie, was mir noch etwas lieber gewesen wäre.

Marie befindet sich auf der linken vertikalen Linie im unteren Bereich des Bildes. Auch sie befindet sich nicht im Schnittpunkt der Linien. Durch die tiefe Anordnung kommt die Dimension des Gebäudes aber sehr gut zu Geltung.

Ich persönlich mag beide Bilder so wie sie sind sehr!

Nachbearbeitung

Belichtungskorrektur, Weißabgleich, ausrichten und eine Korrektur des Bildausschnittes, insbesondere bei dem rechten Bild. Das war’s.

Titel?

Ich tendiere dazu meinen Bildern keine Titel zu geben, oder einfach nur den Namen der Location als Titel zu verwenden. Für mich soll das Bild selbst dem Betrachter seine Geschichte erzählen.

So war es zunächst auch hier. Eine Zeitlang hatten die Bilder den Titel „Regierungsviertel 1 und 2“ … oder so. Bei meiner letzten Ausstellung mit Julia Teine und Arend Rodzinka von UR3AN hatte ich bei beiden Bildern „ohne Titel“ auf das Bildlabel geschrieben. Da Julia und Arend bei all ihren Bildern einen Titel hatten, ergaben sich daraus einige Gespräche. Sogar Titelvorschläge gab es. Für Paul gab es zum Beispiel den kreativen Titelvorschlag „exhausted cocrete“.

Neben der Diskussion um die Titel, wurde ich auch mehrfach nach dem Gebäudenamen und dem Architekten gefragt. Beides könne ich zu dem Zeitpunkt nicht mit absoluter Sicherheit für beide Gebäude sagen.

Jetzt kommt es zum Zufall Nummer 4 dieses Beitrages …  zurück von der Ausstellung recherchierte ich die Gebäudenahmen. Genau genommen wusste ich, dass der Jogger vor dem Paul Löbe Haus aufgenommen ist. Was ich aber nicht wusste, war dass es sich bei dem Gebäude hinter der Frau im roten Kleid um das Marie Elisabeth Lüders Haus handelt. Und schon waren die Titel geboren. Ab sofort ist der Titel für das Bild mit dem Jogger, den ich zufällig vor dem Paul Löbe Haus aufgenommen habe „Paul“ und der Titel für das Bild mit der Frau im roten Kleid ist „Marie“. Wie schön, dass hier das Geschlecht meiner Protagonisten zufällig in beiden Fällen passt!

Jäger oder Angler?

Das rechte Bild gehört für mich in die Kategorie Jäger. Auf meinem Weg zum Hauptbahnhof hatte ich keine Zeit zum Angeln Beim zweiten Bild war ich gezielt zum Fotografieren und hier mal wieder eindeutig als Angler unterwegs!

Technik – Marie

Kamera: Sony Alpha 7RM2
Objektiv: Sony FE 24-70 mm F4
Brennweite: 70 mm
Blende: 9,0
Verschlusszeit: 1/250 Sek
ISO: 100

Technik – Paul

Kamera: Sony Alpha 7M3
Objektiv: Sony FE 24-70 mm F4
Brennweite: 49 mm
Blende: 7,1
Verschlusszeit: 1/250 Sek
ISO: 100

Publikationen & Auszeichnungen (Auszug)

BiG CiTY LiFE 2020 (Paul)

Das Bild an der Wand

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Bei diesem Foto handelt es sich um eine Aufnahme aus meiner letzten Ausstellung im ZeitRaum in Mainz, wo ich neben anderen auch die beiden gezeigt habe. 

Aktuell sofort verfügbar ist „Marie“ im Format 90 x 60 cm als Foto unter Acrylglas.

„Paul“ hat im Rahmen der Ausstellung im Format 90 x 60 cm als Foto unter Acrylglas den Besitzer gewechselt, ist aber ebenfalls noch im Rahmen der Motivlimitierung erhältlich.

Beide Bilder wurden regional produziert von Carsten Riffel, piCta in Flörsheim. Details und weitere Ausführungen und Formate gibts in meinem Shop.

Architektur

Das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus stammen beide aus der Feder des Münchner Architekten Stephan Braunfels.